BTB/STB Landesturnfest
Konstanz, 26. Mai 2001
Von einem, der auszog ...
... einen Weg durch Wald und Wiesen zu finden / Erlebnisbericht des "rasenden
Reporters" Holger Schmidt
Orientierungslauf heißt die ganz
turnhallen-untypische Sportart, die im Rahmen des Landesturnfestes in Konstanz als Einzel-
und Mannschaftswettbewerb auf dem Programm stand. Zunächst beginnt jeder
Orientierungslauf mit dem gleichen Ritual: Karte und Postenbeschreibungen besorgen, zum
Start, Posten von der dort ausgelegten Karte abmalen und zur festgesetzten Zeit losrennen.
Nicht zu schnell, wissen "alte
Hasen", denn schließlich gilt es zwischen neun bis 13 Posten den kürzesten, aber
auch am wenigsten anstrengenden Weg zu finden und dabei auch noch die im Gelände
versteckten Posten, rot-weiße Drahtgestelle mit Markierungszange, aufzuspüren. Da kann
aus Bahnen, die mit drei bis fünf Kilometer Luftlinie vermessen sind, am Ende leicht die
doppelte Distanz mit entsprechend langer Laufzeit werden.
Das Landesturnfest bot im Rahmen offener
Wettbewerbe auch für Anfänger und Nicht-Vorangemeldete die Möglichkeit, beim
Orientierungslauf hereinzuschnuppern. Also beschloss ich passionierter
Freizeitläufer und Rennradfahrer spontan, selbst mein Glück zu versuchen.
"Offen kurz", ausgeschrieben mit 4,1 Kilometern Luftlinie, hieß die Disziplin.
Aber von wegen "für Anfänger": Die
offenen Klassen waren leistungsmäßig stärker besetzt als die eigentlichen
Turnfest-Pokalwettkämpfe. Unter den Teilnehmern waren sogar einige Schweizer Profis.
Forsch mache ich mich auf den Weg und die Suche nach den zehn Posten. Posten 1, 2, 3 und 4
sind kein Problem. Es geht zwar bergauf, doch mit guter Kondition war die Hürde schnell
gemeistert. Aber bei Posten fünf verlassen sie mich: Falscher Weg, quer durchs Unterholz,
und erst spät das richtige rot-weiße Fähnchen gefunden. Posten sechs, Beschreibung
"Fels", ist nur ein bemoostes Steinchen und vor allem Posten sieben -
"Grenzstein" kosten wertvolle Zeit, die in der Endabrechnung fehlte.
8,9 und 10 sind kein Problem mehr, und ich
kann als "rasender Reporter" noch einmal so richtig Gas geben. Im Stil eines
Sprinters überquere ich nach 33:34 Minuten die Ziellinie.
Und dann großes Erstaunen: Das war
Zwischenbestzeit. Es beginnt das Warten auf den Einlauf der in Zwei-Minuten-Abständen
gestarteten Konkurrenten. Einer nach dem anderen bleibt deutlich hinter der Marke zurück.
Erst ein Schweizer Profi ist mit 28:22 mehr als fünf Minuten schneller.
Dennoch belegte ich bei meinem Debüt einen
überraschenden zweiten Rang unter fast 50 Teilnehmern. "Das könnte ich ja durchaus
noch mal versuchen", so mein Fazit nach dem Einstieg in eine neue interessante
Sportart. Und das kann durchaus schon vor dem nächsten Turnfest sein. Denn
Orientierungslauf wird in Baden-Württemberg von einer ganzen Anzahl Vereine auch
außerhalb von solchen Großveranstaltungen regelmäßig trainings- und wettkampfmäßig
betrieben.
Holger Schmidt
Redaktion STB magazin |